Während wir hier in NRW noch auf den Winter warten, habe ich mich aufgemacht in den finnischen Winter. Die letzten Jahre versprachen eisige Temperaturen,  dicken Schnee umschlossene Bäume und eine verschneite Landschaft wohin das Auge reicht.

Wahrscheinlich ahnt ihr nun schon was kommt. Nun gut, wir hatten Winter zumindest, dass was wir aus Deutschland kommend unter Winter verstehen. Mit einer Durchschnittstemperatur von +2 bis -5 Grad über 2 Wochen und das im Januar. Das läutet für einen Nordfinnen schon das Ende des Winters ein – sozusagen fast schon Frühlingsbeginn. Normalerweise herrschen zu dieser Jahreszeit Temperaturen zwischen -20 bis -40 Grad. Auch die Meteorologen bestätigten, dass es sich um den wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnung handelt. Es war also nicht nur eine Frage des persönlichen Gefühls.

Hier mal ein Bildvergleich:

Alex Wünsch Alexandra Wünsch Einblick-Natur Fotografie Naturfotografie Winter Finnland Schnee Landschaft Packschnee
aufgenommen am 11.01.2018
Alex Wünsch Alexandra Wünsch Einblick-Natur Fotografie Naturfotografie Winter Finnland Schnee Landschaft Vollmond
aufgenommen am 10.01.2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch die verhältnismäßig warmen Temperaturen schneit es wesentlich mehr als bei eisigem Frost. So gab es nun Anfang Januar bereits soviel Schnee, wie normalerweise erst im März zum Schnee-Höhepunkt. Allerdings bildet sich nur wenig „tykky“ aus. Tykky wird finnisch der Schnee genannt, der sich zum Jahresende auf den Bäumen bildet.

Durch Feuchtigkeit und Frost beginnt ein Schnee-Eisgemisch die Bäume zu überziehen. Die anfänglich dünne Schicht wächst von Tag zu Tag bis sie am Ende die Bäume in tonnenschweren Schnee einhüllt. Die Bäume sind kaum noch als solche zu erkennen. In diesem Jahr gab es den Packschnee nur an ganz wenigen Stellen. An den meisten Stellen waren die Bäume schneefrei. Im Süden des Landes schneite es teilweise überhaupt nicht. Kommt nun erneuter Frost wird es sehr schwierig für die Pflanzen werden. Vor allem die Heidelbeersträucher bekommen ohne die schützende Schneeschicht schnell kalte Füße und erfrieren. So wird es im nächsten Jahr wahrscheinlich weniger Beerenfrüchte für die Vögel und Braunbären geben.

Aber bereits diesen Winter ist die Nahrungssuche für die Wildtiere eine Herausforderung. Bartkäuze sitzen zur Jagd in den Bäumen und warten auf ihre Beute. Haben sie durch ihr gutes Gehör eine Maus unter der Schneeschicht geortet, fliegen sie genau darüber und stürzen sich kopfüber in den Schnee mit dem Gesicht zuerst. Durch die warmen Temperaturen ist der Schnee mehrmals angeschmolzen und hat sich zu einer harten Masse entwickelt. Dadurch wird es schwieriger für den Bartkauz die dicke Schneedecke zu durchstoßen und die Mäuse zu fangen. Auch habe ich gehört, dass die Rehe bei 90cm Schnee kaum Nahrung in den Wäldern finden können und daher vermehrt an den Straßen gesehen werden.

Nun ich möchte nicht von diesem Winter direkt auf die Zukunft schließen. Aber Wetterexperten sagen in Finnland für die Zukunft einen Schneeanstieg von 65% voraus. Somit ist davon auszugehen, dass auch hier im Norden die Winter Schritt für Schritt wärmer werden.

Was geblieben ist, sind die wunderbaren Lichtstimmungen. Die Sonne geht Anfang Januar 10:30 Uhr auf und ca. 13:45 Uhr wieder unter.Die Sonne schafft es in der kurzen Zeit nur knapp über den Horizont. Wenn dieser wolkenfrei ist, wird die Landschaft in wunderbares Licht getaucht. Wer kennt die wunderbaren Sonnenuntergangsstimmungen am Meer, tiefstehende Sonne und fabrenprächtiger rötlich-oranger Himmel und nach 10 Minuten ist alles vorbei? Dieses Licht gibt es dann in Finnland zur Mittagszeit und mit dem entsprechenden Wolkenbedingungen ca. 2 Stunden. Ein Paradies für mich. Diesbezüglich ist keine Eile geboten. Dennoch bin ich stets in Eile, wenn die Sonne scheint. Denn die Sonne ändert ihre Position stetig. Da bleibt keine Zeit um in aller Ruhe ein Bild zu komponieren.  Hat man die Bildeinstellung getätigt, so ist die Sonne weiter gezogen. Doch auch bereits 1,5 Stunden vor Sonnenaufgang und dementsprechend nach Sonnenuntergang lässt sich die Blaue Stunde wunderbar fotografieren, wenn die ganze Landschaft in ein tiefes Blau getaucht ist. Oder natürlich auch in der Nacht und Dämmerungszeit  bei Vollmond. Ja, es ist zwar nur 2-3 Stunden richtig hell, aber als Naturfotograf vergehen leicht 12 Stunden draußen in der weißen Winterwelt.

Die Sonne ist bereits vor einiger Zeit untergegangen. Endlich  Feierabend…..nun geht’s heim in die warme Stube. Der imaginäre Duft von Kaffee und Kuchen stieg bereits in meine Nase, als ich am Himmel eine stark leuchtende Wolke sah. Diese leuchtete am Nachthimmel in roten Farbtönen. Also wieder raus aus dem Auto, Kameraausrüstung ausgepackt und weiter geht es. Während ich sie fotografierte, änderte sie ständig ihre Farbe bis sie am Ende in pastelligen Perlmuttfarben leuchtete. Diese Perlmuttwolke oder Polare Stratosphärenwolke kommt wohl nicht so oft in Finnland vor. Ich habe sie auch zum ersten Mal gesehen. Es war fantastisch einfach dazustehen und diese fragile Erscheinung zu bewundern. Das mir dabei im Wind fast die Finger abgefallen sind, weil ich meine Handschuhe in der Eile nicht gefunden habe, war mir in dem Moment egal.

Alex Wünsch Alexandra Wünsch Einblick-Natur Fotografie Naturfotografie Winter Finnland Perlmuttwolke polare Stratosphärenwolke

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