Es ist Sonntag, 35 Grad im Schatten einer der heißesten Tage des Jahres. Ich muss noch ein paar Erledigungen machen und beschließe das Fahrrad zu nehmen, sind ja nur 8 km. Die Tour führt mich durch Schatten vorbei an einem kleinen Bach. Besser gesagt am Bachbett vorbei, denn der Bach liegt zurzeit auf dem Trocknen. Ich traue meinen Augen kaum. Seit Jahren habe ich ihn nie ohne Wasser gesehen. Noch nicht einmal in den heißen Sommermonaten. Nach 4 km ein Lichtblick – eine kleine 2x2m große Pfütze. Während ich noch mit meinem Schock kämpfte, erinnerte ich mich…

Oft habe ich hier an dem Bach gesessen und meine Gedanken ziehen lassen. An mir vorbei zog auch eine ganze Menge Müll. Einkaufswagen, Tüten, Flaschen usw. alles kam mit der Strömung und lagerte sich sukzessive im Bach, der umliegenden Natur und an den im Bach treibenden Ästen ab. Oft denke ich mir, hier lohnt es sich mal mit einer Mülltüte zu kommen. Hin und wieder hatte ich ein kleines Beutelchen dabei. Meist hatte ich Ausreden: keine Zeit, keinen Beutel, ist doch nicht mein Müll usw. Doch tief im Inneren macht mich dieser Anblick sehr traurig. Mit anzusehen wie die Natur langsam zumüllt. Immer und immer wieder, wenn ich in idyllischen Minuten am Bach verweile.

Heute trocken und still entblößte sich der Bach still schreiend geradezu vor mir. Uneingeschränkter Zugang zu all den ausgedienten Dingen, die Mensch nicht mehr braucht. Es gibt keine Ausreden mehr. Ich schnappe einen schwarzen Schwerlastsack und ziehe los. Je größer desto besser „da passt viel rein“, denke ich mir.

Und das muss es auch. Flaschen über Flaschen – Glasflaschen, Pfandflaschen, Blumenampeln, Slipeinlagen, Gummidichtungen, Gummischlauch, Angel, Schuhsohlen, Plastiktassen, Bonbonpapier, Schokoriegelverpackungen, leere Schusshülsen, Stifte, Kleinteile….alles findet in Windeseile den Weg in meinen Sack, welcher von Minute zu Minute immer kleiner zu werden scheint.

„Erdnüsse“

 

„Tablettenpackung“

 

„Slipeinlage“ leider nicht die einzige

Erschreckend die ganzen Plastiktüten. Sie verrotten und vergammeln und zerfallen in ewig viele kleine Teile, die man kaum aufsammeln kann. Farblich an die Umgebung angepasst, sind die kaum zu sehen. Und das ist dann ein Teil der Mikroplastik, die in der Erde verschwindet?! Ich grub und buddelte. Ja, man glaubt es kaum. Schnell entpuppte sich das 10cm Seil, was aus der Erde guckt, als eine unüberwindbare Herausforderung. Nachdem ich über einen Meter der Hängematte freigelegt hatte, musste ich aufgeben. Sie war zu tief im Sand. Der Sand zu schwer, als dass ich sie mit bloßen Händen ausgraben könne. So musste ich auch schweren Herzens den Bürostuhl und den Einkaufwagen im Bach belassen, die viel zu schwere mit Wasser aufgezogene Schaumstoffmatratze und eine mit Sand gefüllte Riesentüte.

„Hängematte“
„Schaumstoffmatratze“
Ausbeute in einer Stunde

Nach einer Stunde schon musste ich aufhören. Der Sack ist voll und fast schon viel zu schwer, um ihn noch zu tragen. Schwitzend schleifte ich den von der Last bereits durchlöcherten Sack 100m zum Mülleimer.

Es macht mich nachdenklich zu sehen, dass wir es noch nicht einmal schaffen den eigenen Müll in die dafür vorgesehenen Behälter zu entsorgen, die wirklich an jeder Ecke stehen. Wie erst wollen wir dann wirklich das große globale Müllproblem lösen?

Durch den Abfluss meiner Dusche fließt der Ekel dahin. Mein persönlicher Dreck-weg Sonntag geht zu Ende.

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